Wallbox statt Steckdose: ADAC belegt deutliche Effizienzunterschiede beim Laden
Wer sein E-Auto an der Haushaltssteckdose lädt, verliert dabei einen spürbaren Teil der Energie: Nach einer aktuellen Untersuchung des ADAC wandeln fünf getestete Elektroautos je nach Modell zwischen 10 und 30 Prozent der aus dem Netz bezogenen Energie an der Steckdose in Wärme um. Der Strom steht auf der Rechnung — in der Batterie kommt er nie an.
Zum Messverfahren
Alle Messungen erfolgten im State-of-Charge-Fenster von 10 bis 90 Prozent, bei einer Batteriestarttemperatur zwischen 20 und 30 Grad Celsius.
Ladeverluste im Vergleich
Die Wallbox liegt in allen Klassen deutlich vorn. An einer 11-kW-Wallbox lagen die Verluste zwischen 5,1 und 10,6 Prozent, an einer 22-kW-Wallbox zwischen 5,1 und 7,0 Prozent. Beim DC-Schnellladen zeigt sich ein Bild von 5 bis 15 Prozent — stark abhängig von der Batterietemperatur.
| Ladequelle | Ladeleistung | Messverluste |
|---|---|---|
| Haushaltssteckdose | 2,3 kW | 10 – 30 % |
| Wallbox | 11 kW | 5,1 – 10,6 % |
| Wallbox | 22 kW | 5,1 – 7,0 % |
| DC-Schnellladen | je nach Säule | 5 – 15 % (temperaturabhängig) |
Modellvergleich: wer am effizientesten lädt
An der Steckdose fiel der Mercedes CLA 350 EQ mit 24,2 Prozent Verlust am stärksten ins Gewicht — Tesla Model Y, Renault R5 E-Tech, Volvo EX30 und VW ID.7 lagen zwischen 12,7 und 15,3 Prozent. An der 22-kW-Wallbox zog das Feld deutlich zusammen, zwischen 5,1 Prozent (Renault) und 6,7 Prozent (Volvo EX30).
| Modell | Steckdose (2,3 kW) | 22-kW-Wallbox |
|---|---|---|
| Renault R5 E-Tech | 13,7 % | 5,1 % |
| Tesla Model Y | 12,7 % | im Testfeld (5,1 – 6,7 %) |
| Volvo EX30 | 14,2 % | 6,7 % |
| VW ID.7 | 15,3 % | — (kein 22-kW-Laden) |
| Mercedes CLA 350 EQ | 24,2 % (schlechtester Wert) | — (kein 22-kW-Laden) |
Warum die Steckdose so schlecht abschneidet
Als Hauptursachen nannte der ADAC On-Board-Charger, Nebenverbraucher im Fahrzeug, Ladekabel und die Batterie selbst. Bei 2,3 kW Ladeleistung dauert ein kompletter Ladevorgang entsprechend lang — in dieser Zeit bleiben Bordelektronik und Steuergeräte aktiv und verbrauchen Energie, die nicht in der Batterie ankommt. Hinzu kommen typische Leitungsverluste in der Hausinstallation von bis zu vier Prozent.
DC-Schnellladen: effizient, aber temperaturabhängig
An der Schnellladesäule entfallen Haushaltselektrik und On-Board-Charger als Verlustquellen — der ADAC beziffert die Umwandlungsverluste dort auf im Schnitt 3 Prozent. Bei einer bereits warmen Batterie bleiben die Gesamtverluste mit 1 bis 4 Prozent niedrig. Muss das Fahrzeug dagegen die Batterie heizen oder kühlen, klettern sie auf 6 bis 10 Prozent.
Für die DC-Messungen nutzte der ADAC unter anderem Hyundai Ioniq 6, Renault Megane E-Tech Electric, Tesla Model Y und VW ID.3.
Gut zu wissen: Zielkonflikt PV-Überschussladen
Die ADAC-Faustregel lautet: Je höher die Ladeleistung, desto kürzer der Ladevorgang — und desto geringer der prozentuale Verlust. Im Umkehrschluss verschlechtert auch das beliebte PV-Überschussladen mit gedrosselter Leistung die Effizienz: Wer möglichst viel eigenen Solarstrom nutzen will, bewegt sich hier im Zielkonflikt.
Kann sich eine Wallbox rechnen?
Der ADAC rechnet vor, dass sich eine Wallbox über die Zeit amortisieren kann — am Beispiel einer Renault Zoe ergeben sich bei 10.000 Kilometern Jahresfahrleistung rund 120 Euro Ersparnis pro Jahr, wenn statt an der Steckdose konsequent an der Wallbox geladen wird.
Weil die Ladeverluste im Bordcomputer unsichtbar bleiben, unterschätzen viele Fahrer tatsächlich den Strombedarf. Der ADAC fordert die Hersteller auf, Ladeverluste künftig in den technischen Daten transparent auszuweisen.
Fazit: Effizienz ist eine Frage der Ladeleistung
Die Botschaft der Studie ist eindeutig: Wer regelmäßig zu Hause lädt, fährt mit einer Wallbox in fast jeder Hinsicht besser — effizienter, schneller und auf längere Sicht günstiger. Regelmäßiges Laden an der Haushaltssteckdose rät der ADAC aus Sicherheitsgründen ausdrücklich ab.