Was ist OCPP? Der offene Standard zwischen Ladesäule und Backend
Der eine Satz zur Einordnung
OCPP (Open Charge Point Protocol) ist die gemeinsame Sprache zwischen der Ladesäule und dem Backend des Charge Point Operator (CPO). Ohne ihn müssten Betreiber ihre Infrastrukturen an jedes Hersteller-System anpassen.
1. Was OCPP bedeutet
Open Charge Point Protocol , kurz OCPP, ist ein Kommunikationsstandard, der von der Open Charge Alliance (OCA) veröffentlicht wird. Er ermöglicht die Datenübertragung zwischen Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Backend-Systemen.
Das Backend ist die zentrale Software, die Daten verarbeitet und die Überwachung, Steuerung und Abrechnung der Ladevorgänge ermöglicht. OCPP erlaubt beiden Systemen, auf einer gemeinsamen „Sprache“ zu kommunizieren — und verschiedene Funktionen abzuwickeln:
- Authentifizierung von Ladevorgängen
- Fernsteuerung — Ladevorgang starten, stoppen, Leistung anpassen
- Datenaustausch — Ladezustand, Energieverbrauch, Zeitstempel
- Firmware-Verwaltung — Updates der Station ohne Werkstattpunkt
- Störungsmeldung — Fehlercodes an das Backend
2. Über welche Formate läuft OCPP?
Diese Kommunikation kann auf zwei verschiedene Arten geschehen:
| Format | Charakter | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| SOAP | XML-basiertes Format | ältere OCPP-Versionen, System mit strikter Schema-Kontrolle |
| JSON | einfacheres und effizienteres Format | moderne Webanwendungen, aktuelle OCPP-Versionen |
Das Backend verarbeitet die empfangenen Daten und kann daraus die Ladeinfrastruktur überwachen, Ladeprofile anpassen und Abrechnungen erstellen.
3. Warum eine OCPP-Schnittstelle wichtig ist
Weil OCPP Interoperabilität zwischen Ladestationen verschiedener Hersteller gewährleistet. Ladeinfrastruktur-Betreiber sind dadurch nicht an einen bestimmten Hersteller gebunden und können verschiedene Ladestationen in ein einheitliches Backend integrieren.
Für dich als Fahrer der entscheidende Punkt
Wenn ein CPO ein stationen aus einem anderen Hersteller kaufen und in sein bestehendes Netzwerk aufnehmen kann, steigt die Investitionssicherheit. In der Praxis bedeutet das:
- Ladenetze haben mehr Auswahl an Stationen, als es Hersteller gibt
- Ein Anbieter kann Stationen übernehmen, wenn ein Wettbewerber aus dem Geschäft ausscheidet — oder Ladenetze zusammenlegen
- Standort und Betreiber sind unabhängig voneinander veränderbar
Kurz: OCPP hält die Ladeinfrastruktur offener und damit wettbewerbsfähiger.
4. Wo OCPP etabliert ist
OCPP hat sich vor allem in Europa und Asien etabliert — nicht jedoch in den USA, wo proprietäre Lösungen und der Hersteller-eigene Ökosystem (z. B. Tesla) weiter groß sind.
5. Die Versionen: OCPP 1.6, 2.0.1 und 2.1
OCPP ist kein toter Standard — die OCA entwickelt ihn fort. In der Praxis sind zwei Hauptversionen aktiv: die etablierte 1.6 und die neuere 2.0.1, auf die der Markt zunehmend umsteigt. Seit 2025 kommt dazu 2.1, die die 2.x-Linie weiterführt.
| Version | Jahr | Wichtige Neuerung |
|---|---|---|
| OCPP 1.6 | 2015 | Smart Charging (Load Balancing, Charge Profiles), JSON über WebSockets (neben SOAP), mehr Zustandsmeldungen — bis heute die am weitesten verbreitete Version bei bestehenden Stationen |
| OCPP 2.0.1 | 2020 | Grundlegender Neuaufbau (nicht rückwärtskompatibel): JSON-only, Transaktionen als TransactionEvent, strukturiertes Device-Modell, Sicherheitssprofiles (Security Profiles), ISO 15118 Plug & Charge, signierte Firmware, WebSocket-Kompression — Edition 3 2024 als IEC Standard (IEC 63584) anerkannt |
| OCPP 2.1 | 2025 | Weiterführung der 2.x-Linie, rückwärtskompatibel zu 2.0.1 — die OCA kündigt sie als Fundament für die kommenden Jahre an |
Die größten Unterschiede: 1.6 vs. 2.0.1
| Aspekt | OCPP 1.6 | OCPP 2.0.1 |
|---|---|---|
| Nachrichten-Format | SOAP oder JSON | JSON (SOAP entfällt) |
| Transaktionen | Start/Stop-Meldungen, getrennte MeterValues | einheitliches TransactionEvent, konfigurierbare Start-/Stop-Punkte (Kabel rein/aus, Parkfläche) |
| Sicherheit | TLS optional (Security-Whitepaper als Zusatz) | Sicherheitssprofiles (Security Profiles) Pflicht (Profile 1–3, inkl. mTLS), signierte Firmware, Zertifikats-Verwaltung |
| Plug & Charge | nativ nicht möglich (Workaround via Application Note) | ISO 15118 nativ integriert |
| Konfiguration | flache Config-Keys | strukturiertes Device-Modell (variablenbasiert) |
| Offline-Verhalten | temporäre Transaktions-IDs, Austausch nach Reconnect | Stations-interne ID + Sequenznummern, lückenlose Wiedergabe |
Wichtig: 1.6 und 2.0.1 sprechen nicht miteinander
OCPP 2.0.1 ist kein schrittweises Upgrade, sondern ein eigenständiger Standard. Eine Station, die nur OCPP 1.6 spricht, kann nicht mit einem 2.0.1-tauglichen Backend — und umgekehrt. In der Praxis bedeutet das:
- Backends (CPMS) der CPOs bieten in der Regel beide Versionen parallel — die Station meldet ihre Version beim WebSocket-Handshake
- Neue Stationen werden zunehmend mit 2.0.1 ausgeliefert
- Die große Mehrheit der installierten Basis ist weiterhin bei 1.6 — die OCA hat keine offizielle Abkündigung von 1.6 angekündigt
Für dich als Fahrer ändert sich daran nichts — die Version läuft unsichtbar im Hintergrund.
6. OCPP vs. OCPI — zwei Protokolle, zwei Ebenen
Ein häufiges Missverständnis: OCPP (Station ↔ Backend) wird oft mit OCPI (Open Charge Point Interface, CPO ↔ eMSP) verwechselt. Beide sind offene Standards, beide betreffen Laden — und beide laufen nebeneinander:
| OCPP | OCPI | |
|---|---|---|
| Zwischen | Ladestation (CS) und CPO-Backend (CSMS) | CPOs und eMSPs / Roaming-Plattformen |
| Macht möglich | Steuerung, Störungsmeldung, Firmware, Smart Charging | Daten (Station, Preise, Verfügbarkeit), Freischaltung, Abrechnung über Netzwerk-Grenzen |
| Ahnlich wie | Telefon ↔ zentrale Vermittlung | Vermittlung ↔ Vermittlung (Roaming) |
OCPP und OCPI bilden zusammen das technische Fundament des Ladeökosystems — auf dem CPO, eMSP und Roaming-Plattformen ( die Rollen-Übersicht) sitzen.
7. OCPP in der Praxis
Eine korrekte Implementierung von OCPP auf beiden Seiten — Ladesäule und Backend — ist entscheidend für eine reibungslose Kommunikation. In typischen Abläufen übernimmt die Station die Kontrolle über den Ladevorgang; das Backend steuert Authentifizierung, Freigabe und Störungsmeldungen.
Wenn eine Ladesäule nicht mehr über das Backend erreichbar ist oder Firmware-Probleme auslöst, ist die Ursache in vielen Fällen eine OCPP-Instabilität — das ist die häufigste technische Fehlersituation, die CPOs beheben müssen (mehr zu den Rollen unter Was ist ein CPO).
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Mehr erfahrenQuellen
- Open Charge Alliance: OCPP.org — Open Charge Alliance & OCPP-Standard
- Next Mobility: CPO und eMSP: Rollenverstärkung, Interoperabilität und Marktlogik durch AFIR
- Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: Glossar Ladeinfrastruktur