Was ist e-Roaming? Wie Ladekarten alle Netze verbinden
Roaming — der unsichtbare Klebstoff zwischen eMSP und CPO
Ohne Roaming würde jede Ladekarte nur beim eigenen Betreiber funktionieren – genau wie dein Handy im Ausland, wenn du kein Roaming-Abkommen hast. Die Plattformen, die dieses „Abkommen" technisch ermöglichen, sind der Fokus dieses Artikels.
1. Was e-Roaming eigentlich bedeutet
e-Roaming ist die Infrastruktur, über die ein Ladekartenanbieter (eMSP) Zugriff auf Ladestationen eines fremden Betriebs (CPO) erhält – und zwar so, dass der Endnutzer am Ende eine einzige Rechnung von seinem eigenen Anbieter bekommt.
Das funktioniert nicht punktuelles Telefonat: Die Daten werden über standardisierte Protokolle (im Kern das OCPI (Open Charge Point Interface)) ausgetauscht. Dabei wird in Echtzeit geprüft, ob der Vertrag gültig ist, die Ladung freigeschaltet und am Ende abgerechnet.
2. Die großen Vermittler: Hubject, Gireve & Charge League
Ein eMSP würde theoretisch mit jedem einzelnen CPO direkt Verträge aushandeln (was es teilweise auch für sein eigenes Netz tut). In der Praxis nutzen die überwiegende Mehrheit von ihnen sogenannte Roaming-Plattformen, um über ein einziges Interface Tausende Stationen anzubinden.
| Plattform | Typ & Herkunft | Besonderheit / Größe |
|---|---|---|
| Hubject WAVE | Zentrale Roaming-Plattform (WAE) | Marktführer in Europa. Verbindet > 1 Mio. Ladepunkte. Fast jeder große eMSP (ADAC, EnBW, Flix) nutzt Hubject als Backbone. |
| Gireve | Plattform für Großabonnements & Flotten | Fokus auf industrielle Abrechnung und große Netze: viele Stationen von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Betreibern. Stärker in Frankreich verbreitet, international wachsend. |
| Charge League | Interne Roaming-Gruppe (nicht Plattform) | Bündelt exklusiv vier großer CPOs: Ionity, Fastned, Electra und Atlante unter sich. Fahrer müssen aber ebenfalls einen externen eMSP haben, um an diese Stationen zu kommen – die League ist also nur das interne Netz der Betreiber. |
3. Was technisch passiert (vereinfacht)
- Du steckst die Ladekarte ein oder startest über deine App – dein eMSP prüft in Echtzeit via Roaming-Plattform (z. B. WAVE), ob das Ziel der Ladestation angeschlossen ist.
- Die CPOs Backend sendet eine Antwort: „Ja, ich kann den Strom liefern." Der Ladevorgang startet über OCPP auf der Station.
- Am Ende meldet die Ladestation (über CPO-Backend → Roaming-Plattform) an den eMSP:„Der Kunde hat X kWh geladen.“
- Das Clearing-Haus (z. B. e.clearing) rechnet im Hintergrund die Ströme zwischen allen betroffenen Firmen ab, bevor du deine monatliche Rechnung von deinem eMSP bekommst.
4. Was kostet dich Roaming?
Roaming-Plattformen verlangen Gebühren von ihren Teilnehmern – den CPOs und eMSPs. Diese Kosten fließen in deinen Ladevertrag ein:
- Transaktionsgebühren: Oft einige Cent pro Vorgang (wird im Tarif versteckt).
- Abo-Gebühr: Einige Plattformen verlangen eine monatliche Pauschale, die über den eMSP an dich weitergegeben wird.
Kein extra-Entgelt für Roaming seit AFIR
Seit April 2024 (EU-weit durch die AFIR-Verordnung) dürfen eMSPs und CPOs keine zusätzlichen Gebühren mehr für grenzüberschreitendes Roaming erheben. Ein Ladestopp in Deutschland oder Frankreich muss also über den Vertrag rein technisch immer gleich funktionieren.
5. Weiterführend
CPO & eMSP einfach erklärt (Teil 1) · Was ist OCPP? · Was ist ein eMSP? · Weiter: Was macht der PSP und das Clearing-Haus?
LadeGuide wählt die passende Karte für dein Roaming
Nicht alle Karten funktionieren in jedem Netz gleich gut. Die App prüft, welche Ladekarte und welcher Tarif dein Netzwerk an der Route abdeckt.
Mehr erfahrenQuellen
- Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: Glossar zu Roaming-Plattformen.
- Bundesnetzagentur: AFIR-Pflicht und e-Roaming ohne Mehrkosten.
- Charge League Dokumentation: Zusammenschluss der großen Betreiber (Ionity, Fastned, Electra, Atlante). Siehe auch: chargeleague.com